Searching for: "Walter Gellert"

  • Franz Kafka

    Ein nicht näher bestimmtes Wesen, offensichtlich ein dachsähnliches Tier, hat sich einen vielfältig gestalteten unterirdischen Bau errichtet. Er dient als Schutz und gut bestückte Vorratsräumlichkeit. Das Tier wird beherrscht von der Vorstellung, sich gegen einen wie auch immer gearteten Feind durch eine Optimierung des Baues schützen zu können. Zunächst ist das Tier sehr zufrieden in seinem Bau. Es schlummert häufig friedlich darin und frisst von seinen Vorräten, aber auch vom Kleingetier, das mit im Bau haust. Besonders die Stille ist wohltuend für das...read more

  • Franz Kafka

    Ein Hungerkünstler lebt zunächst in Zeiten, in denen in der Öffentlichkeit ein reges Interesse an seiner Kunst besteht. In seinem Gitterkäfig wird er vom Publikum von Hungertag zu Hungertag interessiert begutachtet und bewundert. Für den Hungerkünstler ist aber das andauernde Hungern „die leichteste Sache von der Welt". Er leidet darunter, dass man ihm das nicht glaubt, ihm möglicherweise sogar unterstellt, geschickt heimlich zu essen, oder ihm zumindest absichtlich die Möglichkeit dazu gibt. Zudem besteht sein Impresario darauf, dass er nach vierzig Tagen das Hungern beenden solle. Er öffnet ihm den Käfig und stellt ihm Essen bereit. Der Hungerkünstler fühlt sich absolut...read more

  • Franz Kafka

    Wie es der Titel sagt, handelt die Geschichte von der als Sängerin auftretenden Maus Josefine und dem Mäusevolk. Josefines Singen ist aber eher ein leises Pfeifen, das eigentlich auch jede andere Maus aus dem Volk von sich gibt oder geben kann. Dennoch ist ihre Kunst öffentlich unumstritten. Manchmal - nur unter sich - gestehen sich ihre Zuhörer die Wahrheit über Josefines Kunst...read more

  • Theodor Herzl

    Eine wunderschöne, philosophische Erzählung von Theodor Herzl, der mit seiner Schreibkunst Berge versetzte. Das Automobil: Vor etwa sechs Jahren saßen einige Pariser und fremde Journalisten an einem Wirtshaustisch in der Nähe des Gymnase-Theaters und führten gute Gespräche. Da warf einer die Frage auf, wie wohl in fünfzig Jahren die Gegend um den Triumphbogen aussehen möchte. Einen Augenblick schwiegen alle und dachten sich ein Zukunftsbild aus. Dann sagte jemand: „Ich glaube, das Pferd wird von der Straße verschwunden sein." Theodor Herzl (1860 - 1904) war ein österreichischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und zionistischer Politiker. Seine hebräischen Vornamen waren...read more

  • Rainer Maria Rilke

    'Das höchst private Ende meiner kindlichen und jugendlichen Ratlosigkeit' - so bezeichnete Rainer Maria Rilke ( 1875, Prag - 1926, Val-Mont ) die literarischen Versuche seiner Jugendzeit. Auch wenn der Dichter selbst seine frühen Prosaarbeiten offensichtlich nicht so hoch einschätzte, so sind diese Arbeiten mehr als lesenswert: es geht in diesen frühen Erzählungen und Skizzen ( sie sind zwischen 1893 und 1903 entstanden ) immer wieder um Liebe und Tod, um Themen, die Rilke Zeit seines Lebens in ihren Bann zogen. In den hier vorliegenden Texten setzt sich der junge Rilke aber auch mit der Sexualität und deren Verdrängung auseinander und schlägt oft erstaunlich ironische Töne an. Die...read more

  • Rainer Maria Rilke

    Seliger Weihnachtstag, da die Kleinen mit vor Ungeduld trippelnden Beinchen und leuchtenden Augen an der verschlossenen Türe lauschen, hinter der sich helle, duftende Wunder vorbereiten, mit wichtiger Miene der Mutter zusehen, die den Festtagsfisch schmort für das Abendessen, und, alte Lieder auf den frischen Lippen, zum Großmütterchen, das im hohen Ohrenstuhl am plaudernden Feuer träumt, hüpfen und ihm die sanften, faltigen Hände küssen. Und dann kommt wohl auch der Vater heim und bringt, Schneeperlen im Barte, ein tüchtig Stück Winter mit und erzählt vom Christkind, das ihm auf verwehten Wegen begegnet ist, und dass es Haare wie eitel Gold hat und die Hände voll bunter,...read more

  • Rainer Maria Rilke

    Klothilde und Rosine waren als Kinder befreundet gewesen. In den jungen Mädchenjahren hatte sie das Pensionsleben voneinander getrennt, andere Zufälle hatten diese Trennung so lange ausgedehnt, bis sie sich endlich in jenen ersten Stadien des altjüngferlichen Pessimismus in der Residenz wiederfanden. Sie fanden sich wie zwei, die auf einer einsamen Heidestation beide den Anschluss versäumt haben und denen nun die Pflicht obliegt, sich gegenseitig durch die Langeweile des Wartens durchzurudern. Es kommt auch vor, dass zwei solche Menschen warten und warten und endlich, weil kein Zug mehr kommen will, von dem vergessenen Bahnhof den Weg ins nächste Dorf finden und dort wohnen bleiben....read more

  • Rainer Maria Rilke

    Die große Kattunfabrik und Stoffdruckerei Wörmann und Schneider bei Danzig hatte in Erhard Stilfried einen ausgezeichneten Musterzeichner entdeckt. Er war noch ein junger Mensch, am Anfang der Dreißig etwa, und im Laufe der Zeit ergab sich, dass er der Firma unentbehrlich geworden war. Damit sein großes Talent sich aber ganz durchsetzen könne, war es notwendig, dass er seine Kenntnisse sowohl nach der künstlerischen, wie nach der technischen Seite vervollkommne. Er sollte ein Jahr auf der Kunstgewerbeschule in München verbringen und ein zweites Jahr dazu benutzen, die größeren Fabriken seines Fachs in Paris, Wien und Berlin genau kennen zu lernen. Kurz, nachdem er geheiratet hatte,...read more

  • Rainer Maria Rilke

    Als aber die Zahl derer, welche sich nach hoffnungsloser Gegenwehr opferten, immer noch wuchs, als fast in jeder Familie des Landes der beste Sohn (und oft noch in knabenhafter Jugend) gefallen war, da begann der König mit Recht zu fürchten, dass alle Erstlinge seines Landes zugrunde gehen könnten. Fremden Kaufleuten aber, gab er eine Kunde: wem es gelänge, das arme Land von diesem großen Tode zu befreien, der sollte die Hand der Königstochter erhalten, mag er von Adel sein oder eines Henkers letzter...read more

  • Rainer Maria Rilke

    'Es war mir nämlich klar geworden, dass es doch etwas anderes ist als einfach Kameradschaft, was mich an Helene band. Ich ging also mit mir zu Rate und beschloss, sie zu heiraten. Ich übersah nicht die Schwierigkeiten, welche meine Familie mir bereiten würde; ich vergaß nicht, dass ich meine Karriere durch diesen Schritt beschränkte. Ich rechnete mit diesen Dingen, also waren sie kein Hindernis. Aber im letzten Augenblick, eine halbe Stunde ehe du damals bei mir...read more

  • Rainer Maria Rilke

    'Die meisten Menschen wollen es, und darum sterben auch die wenigen, welche leben wollen; sie werden mitgerissen, man fragt sie nicht. Ich bin weit in der Welt herumgekommen, Gita, ich habe mit vielen Menschen gesprochen und habe sie gefragt nach ihrem Herzen. Aber es war keiner unter ihnen, der nicht sterben wollte. Gesagt freilich, gesagt hat mancher das Gegenteil, und seine Furcht hat ihn darin...read more

  • Rainer Maria Rilke

    'Sie wissen alles. Ich schreibe Dir unter Tränen. Der Vater hat mich geschlagen. Es ist schrecklich. Jetzt lassen sie mich nie mehr allein ausgehen. Du hast recht. Komm fort. Nach Amerika oder wohin du willst. Ich bin morgen früh um sechs Uhr auf der Bahn. Da geht ein Zug. Vater fährt immer auf die Jagd damit. Wohin weiß ich nicht. Ich schließe. Es kommt jemand. Also erwarte mich. Bestimmt. Morgen um sechs. Bis in den Tod Deine...read more

  • Rainer Maria Rilke

    Ich kam viel zeitiger nachhause und verriegelte sofort meine Türe. Als die neunte Abendstunde heranrückte, kam sie. Da sie die Tür versperrt fand, ging sie wieder weg; sie mochte wähnen ich sei nicht zuhause. Aber ich war unvorsichtig. Ich schob den schweren Schreibtischsessel etwas jäh zurück. Das musste sie vernommen haben. Im nächsten Augenblicke pochte es. Ich blieb still. Noch einmal. Dann ungeduldig ohne Unterlass. Jetzt hörte ich sie schluchzen lange, lange ... Die halbe Nacht musste sie an meiner Türe verbracht haben. Aber ich war stark geblieben; ich fühlte, dass dieses Ausharren den Zauber gebrochen...read more

  • Rainer Maria Rilke

    Ich weiß nicht wie es kam; dieses Antlitz schwebte mir vor, wenn ich nachts in dem ungewohnten Gastzimmer erwachte. Bei der Tür, dort wo die Klinke im Scheine meines Nachtlichts schimmerte, hob sichs empor, und ich sah den Ernst dieses Gesichtes und die ganze schlanke Gestalt in dem anliegenden, schlichten Tuchkleid langsam auf mich zukommen. Mich...read more

  • Rainer Maria Rilke

    Flieder...', sagte ich nur um etwas zu sagen. Denn das Schweigen ist ein heimlicher Waldsteg, auf dem verstohlene Gedanken hin und wider huschen. Also nur nicht...read more

  • Theodor Herzl

    Eine wunderschöne, philosophische Erzählung von Theodor Herzl, der mit seiner Schreibkunst Berge versetzte. Der Hamur: Ein guter Spaßmacher aus besseren Zeiten hat seine Vergnügungshalle zusperren müssen und gleich den Römern besitzen nun auch wir eine Ruine welche 'Das Kolosseum' heißt. Das ist das neueste Kunstereignis unserer Stadt... Theodor Herzl (1860 - 1904) war ein österreichischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und zionistischer Politiker. Seine hebräischen Vornamen waren Binyamin Ze'ev. Er schrieb 1896 anlässlich antisemitischer Tendenzen in Paris sein Buch Der Judenstaat, das wesentlich zur Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948...read more

  • Theodor Herzl

    Eine wunderschöne, philosophische Erzählung von Theodor Herzl, der mit seiner Schreibkunst Berge versetzte. Der sterbende Fiaker: Gegen das was sich jetzt im Wiener Fuhrwesen abspielt, ist die Secession der Künstler rein gar nichts. Man läuft Gefahr von den ästhetisch Angehauchten für eine ganz rohe Natur gehalten zu werden, wenn man diese Tatsache feststellt, aber doch ist dem so. Der ganze heilige Frühling ist nicht so interessant, wie der Kampf der alten Wiener Fuhrwerke mit den neuen. Noch einmal hebt sich der Fiaker Kutscher als eine merkwürdige Gestalt auf, er wehrt sich gewaltig gegen den unerbittlichen Gang der Zeit und es ist nicht schwer vorauszusehen, dass er demnächst...read more

  • Theodor Herzl

    In Wien hieß eine Gasse 'Im Elend', der junge Grillparzer hat glaub ich da gewohnt. ... Eine wunderschöne, philosophische Erzählung von Theodor Herzl, der mit seiner Schreibkunst Berge versetzte. - Theodor Herzl (* 2. Mai 1860 in Pest, dem heutigen Budapest; † 3. Juli 1904 in Edlach, Gemeinde Reichenau an der Rax, Niederösterreich), war ein österreichischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und zionistischer Politiker. Seine hebräischen Vornamen waren Binyamin Ze'ev. Er schrieb 1896 anlässlich antisemitischer Tendenzen in Paris sein Buch Der Judenstaat, das wesentlich zur Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948...read more

  • Theodor Herzl

    Eine wunderschöne, philosophische Erzählung von Theodor Herzl, der mit seiner Schreibkunst Berge versetzte. Auf der nördlichen Halbkugel der Erde spielt sich jetzt eine der merkwürdigsten Begebenheiten ab. Es gibt wenig poltische Ereignisse die sich damit an Bedeutung messen können, tief greift es in die Schicksale der Völker ein, dabei auch den Einzelnen an Leib und Seele mächtig berührend, der Markt und aller Verkehr wird davon beeinflusst. Theodor Herzl (1860 - 1904) war ein österreichischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und zionistischer Politiker. Seine hebräischen Vornamen waren Binyamin Ze'ev. Er schrieb 1896 anlässlich antisemitischer Tendenzen in Paris sein...read more

  • Theodor Herzl

    Eine wunderschöne, philosophische Erzählung von Theodor Herzl, der mit seiner Schreibkunst Berge versetzte. Nach Russland - sagte, glaub' ich, Théophile Gautier - muss man im Winter und nach dem Süden im Sommer reisen. In den Prater muss man am Sonntag gehen. Aber nicht an einem feinen Sonntag im Frühling, wenn der hohe Fahrdamm der Nobel-Allee mit Kutschen bedeckt ist, wenn die eleganten oder nur reichen Leute auf Gummirädern vorbeisausen und sich gegenseitig mit gemischten Gefühlen betrachten. In den Prater muss man Sonntags im Hochsommer gehen, an einem recht schönen, heißen, staubigen Sonntag nachmittags, wenn es wie eine Ruhe der Verzweiflung auf der erschöpften Stadt...read more